1. wer, bitte schön, sind eigentlich die duzianer?

“kleine, grüne männchen?” fragt mein neffe.

“nein.” antworte ich,

“sich das individuelle verhalten

immer auch sozial vorzustellen,

dem dient die imaginäre gemeinschaft der duzianer.”

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über das verhalten der duzianer

berichte ich unter der rubrik

“was die duzianer so machen.”

möge es anregen, die eigenen verhaltensweisen

in ähnlichen situationen besser wahrzunehmen

und zu überdenken.

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manchmal stelle ich mir ein gesellschaftsspiel vor:

einer der kurzen berichte vom verhalten der duzianer

wird ausgewählt und vorgelesen,

und anschießend gibt jeder im raum ein statement ab

wie er es denn mit dem entsprechenden punkt hält.

wie er sich sehr konkret verhält.

danach wird das nächste statement vorgelesen.

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jedes einzelne Verhaltensmuster mag

manchmal nur skurril erscheinen

aber in der zusammenschau

möge ein bild aus dem puzzle entstehen,

das ich anders nicht hätte malen könnten

und das gemalt werden wollte.

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rituale und verhaltens routinen

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unser alltag wird von einer vielzahl

von verhaltensfolgen und kleinen ritualen geprägt

z.b.:

die art wie wir uns einen einkaufswagen besorgen,

wie wir einander begrüßen

wie wir feiern,

wie wir uns morgens waschen,

wie wir uns anziehen und ausziehen,

wie wir uns bei einer beerdigung verhalten,

wie wir auto fahren,

wie wir uns entschuldigen.

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diese verhaltensroutinen spiegeln persönliche

einstellungen und haltungen wider,

die wir zum zeitpunkt des entstehens dieser rituale hatten.

meist haben wir vergessen, dass wir, wann wir und warum wir

diese entscheidungen getroffen haben.

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denn die meisten kleinen rituale laufen unbewusst ab,

nachdem wir sie in der lebensgeschichtlichen entwicklung

im ablauf einmal entschieden und eingeübt haben.

und das ist gut und notwendig,

angesichts der komplexität unserer wirklichkeit

und der beschränktheit unseres bewusstseins.

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die beschreibung des verhaltens der duzianer

versucht nun (psychologisch-soziologisch betrachtet)

schlüssel-muster unserer kultur

dem bewusstsein wieder zugänglich zu machen

und neu zur diskussion zu stellen.

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19.11.09

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lieber robert,

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tja, da bist du wohl der erste, der sieht,

was ich mit meinem blog will und mache;

worum es eigentlich geht.

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als jugendlicher hatte ich die vorstellung,

wenn ich alt bin, und das bin ich ja jetzt,

gründe ich eine religionsgemeinschaft.

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nun, mit dem alter geläuterter,

begnüge ich mich mit einer imaginären gemeinschaft,

die einem kanon folgt.

einem kanon, der konkrete verhaltensweisen empfiehlt

einem kanon, der reflektiert werden will.

schon alleine das würde uns voran bringen.

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ein vorteil dieser konstruktion einer imaginären gemeinschaft

liegt für mich auch darin,

dass ich den anweisungen nicht unbedingt folgen muss  :)

aber natürlich denke ich aus meiner erfahrung heraus,

dass es allgemein hilfreich wäre, wenn die gesellschaft

eine entwicklung in richtung des beschriebenen machen würde.

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übrigens denke ich das dein religionsentwurf

eigentlich auch ein kanon ist.

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ich habe eine schwester in toronto, seit vielen jahren.

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wie bist du auf den dubog gestoßen?

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danke für deine ermutigung.

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herzliche grüße aus weimar

w

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