die nebenwirkungen der allgegenwart des telefons.

die duzianer verweisen jetzt auf tiefgreifende veränderungen
unseres kommunikations-verhaltens hin.
hervorgerufen seien sie maßgeblich
durch die seit einer generation allgegenwart des telefons.
diese veränderung habe sich im letzten jahrzehnt
weiter verstärkt und jetzt verfestigt.

geschichtlich gesehen sei es ein reflex,
den wir uns angewöhnt haben;
in den anfängen des telefons.
damals sei der schrille klingelton bedeutend gewesen.
er läutete ein neues zeitalter der kommunikation ein.
damals war es richtig sich anzugewöhnen,
alle anderen gespräche im raum zu unterbrechen,
um das Telefon zu beantworten.

wenn das telefon schellt,
so sei seither allgemeiner konsens,
unterbricht man ein klassisches, herkömmliches gespräch.
eingehende telefonate haben vorrang.

auch wenn dieses verhalten sozial akzeptiert ist,
so ist es aber doch -psychodynamisch gesehen-
eine persönliche kränkung des direkten gesprächspartners.
es sei eine sich wiederholende abwertung
der aktuellen gesprächssituation,
denn offenbar ist jedes gespräch,
das von außen kommt wichtiger.
es wird vorrangig behandelt.

dabei tue man so,
als könne man gespräche beliebig unterbrechen
und wieder aufnehmen.
das trifft aber nur für gespräche zu,
die sachlich und emotional flach verlaufen.

gespräche, die sich ergeben müssen,
die emotionale sicherheit bräuchten,
vertrügen eine abrupte unterbrechung nicht;
solche gespräche würden deshalb kaum noch geführt.

in der folge sei dadurch
das ökosystem des wirklich privaten quasi kollabiert
und nur noch in nischen zu finden.
viele menschen wüssten nicht einmal mehr,
was ein tiefes gespräch ist.
eine allgemeine, flachere kommunikation habe sich,
als geräuschkulisse über das ganze land gelegt.

tiefergehende eingriffe in die psyche des einzelnen,
deformierungen durch lebens-ereignisse
werden viel seltener angemessen im vertrauten kreis
mit emotionaler tiefe besprochen.
und weil nicht vom freundes- und familienkreis “behandelt”.
bleiben die deformationen,
sie bleiben, vertiefen sich und treten sozial in erscheinung:
als steigende anzahl psychisch kranker menschen.

die duzianer geben keine konkreten verhaltensanweisungen.
meinen aber, dass wir mehr telefongeschützten raum bräuchten.
so würde z.b. viel zu selten von der möglichkeit gebrauch gemacht,
den anrufbeantworter auch bei anwesenheit zu nutzen.

sich dieser kommunikationslage und kommunikationsreflexe
bewusster zu werden sei der erster schritt.
man möge den zuwachs an telfonbewußtheit wirken lassen.

im übrigen brauche man weitere zeit
für die einschätzung der neuen situation,
die so beschrieben wird:
“waren in der bisherigen evolution des menschen
physische präsenz notwendig,
um mit einem anderen menschen sprechen zu können,
so hat das telefon diese conditio-sine-qua-non
in luft aufgelöst. räumliche distanz spielt keine rolle mehr.
mit einführung des handys
wurde dieser prozess abgeschlossen.”

Eine Reaktion zu “die nebenwirkungen der allgegenwart des telefons.”

  1. Wolfgang

    Die Zeilen beschreiben nahezu perfekt das von mir schon seit langen gefühlt erlebte. Ich kann mich für diese Zeilen nur bedanken, denn ich hätte diese Formulierungen selbst nicht finden können. Was muss also geschehen, damit das Individuum das besusste Wahrnemen lernt, und die eigene Situation selbst von aussen betrachtet zu beobachten lernt. Stichwort Escher.

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