die gezielt verrückte aktion

“die zeiten auffälliger nebenwirkungen bei psychopharmaka sind vorbei.”
sagt prof. jup hagenbruch von den duzianer völlig unvermittelt
kurz bevor sich unsere wege trennen.
“das soma, aus Aldous Huxleys “schöne neue welt”, ist da.
es verhilft denen, die sich nicht mehr politisch und
gesellschaftlich korrekt verhalten können,
zu korrektem verhalten.

verrücktes verhalten im straßenbild sehe ich immer seltener,
eigentlich gar nicht mehr.
und wenn es die ausreißer nicht mehr gibt,
wird auch das verhalten allgemein enger.
alles wird immer gedämpfter, disziplinierter,
sozial und politisch korrekter, langweiliger.

da hilft nur die gezielt verrückte aktion,
wir z.b. der musikerstammtisch.

manchmal überlege ich, wie unser alltag aussehen würde,
wenn es plötzlich keine psychopharmaka mehr gäbe
und was das dann über unsere gesellschaft aussagen würde.

mit der massenhaften einnahme von psychopharmaka
bei gleichzeitig völlig unzureichender
aufarbeitung des psychodynamischen
geht der gesellschaft ein frühwarnsystem verloren
das gesellschaftliche fehlentwicklungen deutlich macht,
die zu individuellen psychischen deformationen führen.

der realität ist ein dorn gezogen worden,
der die notwendigkeit zur veränderung
und auch die richtung deutlich machen könnte.”

jup verabschiedet sich indem er den hut mit der hand zieht.
“und was ist eine gezielt verrückte aktion?”
will ich noch fragen.
aber da ist er schon im menschengewühl verschwunden.

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