jeder satz ein witz – die ha-ha-kultur

12. Januar 2010

“ha-ha!”,
trocken kurz und eher ohne emotionale beteiligung gesprochen,
ist ein neues sprachkürzel,
mit dem die duzianer einen trend brechen wollen.

albernheit sei notwendiger ausgleich;
mache frisch für neues, sagen die duzianer.
und den humor solle man schon deshalb nie verlieren,
weil er hilft abstand zum geschehen zu wahren;
sozusagen: um den überblick nicht zu verlieren.
aber man könne es auch übertreiben.

flaue witze, die zu viele werden
und solche, die auf kosten anderer gehen,
werden von den duzianern umgehend und sofort
mit einem “ha-ha!” abgestraft.

“die fähigkeit ein wirklich gutes, persönliches gespräch zu führen,”
so die diagnose der duzianer,
“nimmt -sozial gesehen- seit jahren immer weiter ab.
stattdessen verbreitet sich eine ha-ha-kultur,
wo jeder satz ein witz, jede bemerkung lustig ist.
aber humor allein führt nicht zum ziel.”

“humor ist das eingangstor, das durchschritten werden will
auf dem weg zum anderen.
und wenn im laufe eines (auch eines kurzen) dialogs
nicht auch eine tiefere gesprächsebene berührt wird,
werden chancen vertan, substanz geht verloren.”

in zusammenhang mit dieser problematik
diskutieren die duzianer zurzeit folgende fragen:
1. werden wir von den neueren comedyformaten angeregt
nach dem motto, das können wir auch selber?
2. ist dieser trend ein deutscher versuch
nachgesagte humorlosigkeit zu überwinden?
3. könnte es dem entsprechend im günstigen fall
nur ein zwischenschritt sein
auf dem weg zu einer humorvolleren gesellschaft?
4. wie kann dieser prozess begleitet werden?

wer oder was ist oder macht krank?

10. Dezember 2009

jup hagenbruch hat jetzt gesagt.
“wenn ich es richtig verstanden habe,
gab es deshalb eine solche überdimensionale reaktion
auf den freitod des tormanns robert enke,
weil er ein so guter, sozialer und netter mensch gewesen ist.
sein bewußtseinszustand wird in der öffentlichen diskussion
als krank beschrieben,
“depression mit schwerer persönlichkeitsstörung,
genetisch bedingt”.

ich habe einmal gelernt, das die etikettierung psychisch kranker
den betroffenen nicht hilft sondern schadet.
wohl aber hilft sie denen weiter, die diese etiketten verwenden.
(depression, schizophrenie, hysterie, angstneurose)
denn wenn es eine krankheit ist
bin ich nicht weiter daran beteiligt.
so wird der gedanke beiseite geschoben,
dass unser verhalten ihn krank gemacht haben könnte,
und vielleicht nicht er sondern wir die kranken sind.

Was,
wenn nicht der selbstmord eines bekannten,
gar eines freundes
soll anlass sein,
das eigene verhalten zu reflektieren?

und wenn diese reflexion aus einer haltung der akzeptanz
gegenüber der eigenen fehlerhaftigkeit geschieht
und in dem tiefen wissen,
dass wir auch dann noch schuldig werden,
wenn wir in guter absicht handeln,
dann kann auf einem solchen resonanzboden
die reflexion höchst erfreuliche resultate zeitigen.”

kein klatschen bei beerdigungen.

23. November 2009

“jemand hätte es den menschen im stadium sagen sollen,
aber keiner hat etwas gesagt.” monieren sich der rat der duzianer.
“beerdigungen und trauerveranstaltungen sind
psychohygienisch gesehen höchst sinnvolle veranstaltungen,
aber sie müssen richtig gemacht werden.

trauerfeiern sind der ort und die zeit
in sich zu gehen.
sein ganz persönliches verhältnis zum verstorbenen
zu klären und die trauer des verlustes zu erleben.
abschied zu nehmen.

und wenn andere, die an der zeremonie beteiligt sind,
dinge sagen und tun,
die man anderenorts beklatscht hätte,
so bleibt man hier still bei sich,
um die eigene wahrheit zu suchen.

und diese wahrheit findet man nicht,
wenn man seine energie mit dem applaus
in richtung eines anderen sendet.
das stört die auseinandersetzung mit dem tot und dem toten.

nein, es geht nicht darum,
der eigenen meinung öffentlich ausdruck zu verleihen
sondern es geht darum,
was die zeremonie in einem persönlich auslöst.
dort muss die aufmerksamkeit sein und bleiben,
wenn der prozess des abschied nehmens gelingen soll.

und kein zweifel: ohne applaus würde auch
eine große medien-beerdigung besser werden:
mit mehr würde und mit mehr gedenken;
und mit einer positiven psychohygiene-bilanz.
nur irgendjemand müsste es den menschen im stadion sagen.”
sagen die duzianer.

die gezielt verrückte aktion

20. November 2009

“die zeiten auffälliger nebenwirkungen bei psychopharmaka sind vorbei.”
sagt prof. jup hagenbruch von den duzianer völlig unvermittelt
kurz bevor sich unsere wege trennen.
“das soma, aus Aldous Huxleys “schöne neue welt”, ist da.
es verhilft denen, die sich nicht mehr politisch und
gesellschaftlich korrekt verhalten können,
zu korrektem verhalten.

verrücktes verhalten im straßenbild sehe ich immer seltener,
eigentlich gar nicht mehr.
und wenn es die ausreißer nicht mehr gibt,
wird auch das verhalten allgemein enger.
alles wird immer gedämpfter, disziplinierter,
sozial und politisch korrekter, langweiliger.

da hilft nur die gezielt verrückte aktion,
wir z.b. der musikerstammtisch.

manchmal überlege ich, wie unser alltag aussehen würde,
wenn es plötzlich keine psychopharmaka mehr gäbe
und was das dann über unsere gesellschaft aussagen würde.

mit der massenhaften einnahme von psychopharmaka
bei gleichzeitig völlig unzureichender
aufarbeitung des psychodynamischen
geht der gesellschaft ein frühwarnsystem verloren
das gesellschaftliche fehlentwicklungen deutlich macht,
die zu individuellen psychischen deformationen führen.

der realität ist ein dorn gezogen worden,
der die notwendigkeit zur veränderung
und auch die richtung deutlich machen könnte.”

jup verabschiedet sich indem er den hut mit der hand zieht.
“und was ist eine gezielt verrückte aktion?”
will ich noch fragen.
aber da ist er schon im menschengewühl verschwunden.

geburtstagsfeiern

11. September 2009

duzianer meiden eigene geburtstagsfeiern.
“viel zu egobezogen in einer zeit,
die keinen mangel an egobezogenheit hat.”
sagen sie.
einladungen zu geburtstagsfeiern anderer
begegnen sie mit nachsicht,
sie folgen ihnen gerne
und feiern ausgelassen mit
soweit es der rahmen hergibt.
und sie versuchen
dem geburtstagskind zu schenken, was ihm fehlt.
meist sei es zuwendung und aufmerksamkeit,
so diagnostizieren sie.

wenn die duzianer große feste feiern wollen
mit ihrem erweiterten freundeskreis,
wählen sie andere anlässe als den geburtstag.
zum beispiel:
den jahrestag des umzugs in eine neue stadt.
die 10 jährige wiederkehr des einzugs in ein haus.
hochzeitstage, auch nach 5 jahren schon.
sie wählen also eher lebensgeschichtliche daten.
vor allem aber freiern sie ihre speziellen sommerfeste.
doch dazu an anderer stelle mehr.

hundesprache

11. August 2009

die duzianer haben sich jetzt
auf eine gemeinsame hundesprache geeinigt.
das beschlussprotokoll liegt mir vor.

dabei geht es zunächst um den deutschsprachigen raum.
als zwischenlösung.
gearbeitet wird an einer internationalen hundesprache,
die in zukunft sicher stellen soll, dass jeder hund auf dieser erde
bestimmte grundbegriffe der kommunikation versteht.

es sei schwierig genug mit hunden zu kommunizieren,
sagen die duzianer,
da brauche es nicht auch noch verwirrung durch wörter,
die mit unterschiedlicher bedeutung von
den jeweiligen hundebesitzern benutzt werden.

als beispiel für doppeldeutigkeit wird insbesondere
auf den schlüsselbegriff “aus” hingewiesen.
“aus” wird von den hundebesitzern zum teil benutzt,
um dem tier zu sagen, es solle aufhören mit dem was es tut,
z.b. menschen anbellen,
oder es wird auch mit der bedeutung verwendet,
das tier soll hergeben, was es im maul hat.
andere sagen da “gib´s her!”
und “nein” sagen sie,
um ein unerwünschtes verhalten zu unterbrechen.
das papier bringt noch eine reihe weitere beispiele.

die duzianer haben nun, um ordnung zu schaffen,
alle verhaltensanweisungen für hunde
sprachlich und von der bedeutung her fixiert.

insbesondere dem hunde-laien sollen damit
für die zufällige begegnung mit dem hund
einige wenige grundbegriffe an die hand gegeben werden,
die jeder erzogene hund versteht.
hier nun einen auszug der vielleicht wichtigsten begriffe
aus der derzeit 154 wörter umfassenden liste.

der musterhund heißt charly

“nein!”
charly soll aufhören mit dem, was er gerade tut.
missbilligung des aktuellen verhaltens.
“weg da.”
der hund soll einem aus dem weg gehen.
“gut!”
belobigung
“guter charly!”
starke belobigung
oft von streicheln begleitet
wiederholt gesprochen,
“aus!”
charly soll das, was er im maul hält, hergeben,
die zähne auseinander nehmen.
“nase weg !”
charly soll seine nase nicht in dinge stecken,
die ihn nichts angehen.
“sitz!”
charly soll sich mit dem hinterteil auf den boden setzen.
“platz!”
charly soll sich auf den boden legen.
“und bleib!” (”platz und bleib.” “sitz und bleib.”)
charly soll an dem ort bleiben, an dem er gerade ist.
“jetzt”
löst den befehl “und bleib” auf
“steh!”
charly soll an dem ort stehen bleiben, wo er gerade steht.
“komm her!”
charly soll zu einem kommen
“bei fuß.”
charly soll im schritt mit einem übergehen,
ohne an der leine zu ziehen.
“bring mir den schuh, ball, ast … “
charly soll den genannten gegenstand zu einem bringen
“hopp”
auf die hinterbeine stellen.
“roll over.”
charly soll sich (nach dem kommando “platz”)
um sich selber drehen, eine rolle machen.
“raus! “
mit hand und zeigefinger die richtung weisend.
charly soll den raum verlassen
“vorsicht !”
warnung, wenn etwas gefährlich ist.

soweit der auszug aus der liste.
die duzianer empfehlen,
in einem freundlichen ton mit den hunden zu reden.

äußerung des bedauerns eines eigenen fehlers

2. Juli 2009

die duzianer sagen,
die menschen seien sehr empfindliche wesen.
samt und sonders.
und sie hätten emotional das gedächtnis eines elefanten.
deshalb müsse mit verletzungen, die wir anderen zufügen
sehr behutsam umgegangen werden.
anderenfalls drohe der tiefe, persönliche zugang zu anderen
für immer verschüttet zu werden.
es brauche unsere besondere achtsamkeit,
wenn die wunde des anderen heilen soll;
zeit allein reicht da nicht.

dabei müsse bei einer verletzung nicht unbedingt blut fließen,
es reiche dem anderen unbeabsichtigt auf den fuß zu treten
um kleine kanäle der kommunikation zu verschütten.

ein übergroßes ego,
dass zerbrechlich ist, weil überdimensionier,
weil nicht von substanz gefüllt,
stehe einer entschuldigung am häufigsten im wege.
auch die mangelnde fähigkeit sich selber kritisch zu sehen.
und die eigene fehlerhaftigkeit zu akzeptieren.

wenn man duzianern begegnet, hat man oft den eindruck,
es mit besonders höflichen menschen zu tun zu haben.
aber es geht tiefer, es ist nicht eigentlich höflichkeit.
die duzianer haben eine eigene kultur der entschuldigung entwickelt.
die dinge sind nicht formal geregelt
eher haben sich variable verhaltensmuster herausgebildet.

unterstützt wird diese kultur durch ihre einstellung,
dass erst die fähigkeit sich zu entschuldigen
und andererseits zu vergeben
den menschen zum menschen macht.
der prozess des entschuldigens und des verzeihens
akzeptiere demütig die fehlerhaftigkeit des menschseins
und korrigiert dadurch den fehler in gewisser weise.

“entschuldigungen sind balsam für die geschundenen seelen.”
meinen die duzianer,
es sei deshalb sehr wichtig
die eigene wahrnehmung auszudrücken,
dass man den anderen verletzt hat,
und dass es einem leid tut.

bei schwerwiegenderen verletzungen
schreiben sie kleine briefe, die sie
“äußerung des bedauerns eines eigenen fehlers .” nennen.
auch das wissen, dass der andere nicht unschuldig ist an der situation
hält die duzianer nicht ab, die eigene schuld einzugestehen.
es schriftlich zu machen, hilft sich selber klare darüber zu werden
was passiert ist und was der eigen anteil daran war.
so trage man sorge für weniger fehler in der zukunft.

wenn die selbstreflexion intellektuell sauber gemacht würde
führe das zur persönlichen entlastung;
und das übriges relativ unabhängig davon,
ob einem die gegenseite verzeiht oder nicht.
sich zu entschuldigen sei ein persönlicher,
geistig-emotionaler reinigungsprozess,
sei auch psychohygiene.

 

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extras:

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Entschuldigung
aus wiktionary

Bedeutungen:

[1] Äußerung des Bedauerns eines eigenen Fehlers
[2] (geäußerte) Ursache für einen Fehler, den man begangen hat

Beispiele:

[1] Sie hat meine Entschuldigung akzeptiert.
[2] Für dieses Verhalten gibt es keine Entschuldigung!

eine stichhaltige, triftige, fadenscheinige, leicht durchschaubare, unglaubhafte Entschuldigung

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Entschuldigung
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Eine Entschuldigung ist im Wortsinne eine Ent-Schuld-igung, eine Form von Vergebung. Mit der Bitte um Entschuldigung gesteht jemand ein, dass eine Tat von ihm eine moralische Verfehlung war. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Entschuldigung allerdings eben diese Bitte. Der Geschädigte der Tat kann die Entschuldigung annehmen oder ablehnen.

Durch diese Begriffsverschiebung hat es sich im Deutschen eingebürgert, “sich zu entschuldigen”. Im Wortsinne einer Freistellung von Schuld war dieser Sprachgebrauch in früheren Zeiten Unsinn: Man konnte sich nicht selbst von Schuld befreien. Sinnvoller wäre es beispielsweise, statt “sich zu entschuldigen” um “Entschuldigung oder Vergebung zu bitten”. Zu sagen: “Ich entschuldige mich dafür (oder für den Fehler)” war daher falsch, da nur der Geschädigte einen von dessen Schuld insoweit befreien kann, als er diese nicht weiter nachträgt. Das Englische etwa unterscheidet streng zwischen “to apologize” und “to excuse”.

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am telefon nicht: “ich bin falsch verbunden worden.”
sondern “entschuldigung, ich habe mich verwählt.”

die gaben des heiligen geistes

11. Juni 2009

“Tut Buße und jeder von euch
lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi
zur Vergebung eurer Sünden,
so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.”
Petrus, Apg 2 ( V.3847)

falsch, sagen die duzianer.
der heilige geist stecke in jedem.
dazu müsse man nicht getauft sein.
die taufe sei nur ein ritual zur betonung dessen
was jeder wissen sollte:
der heilige geist wohnt in ihm.

“dieses wissen ist eine aufforderung” sagen sie,
“so göttlich zu sein, wie es mir als mensch möglich ist.
eine aufforderung, die gaben des heiligen geistes zu nutzen.”

dieser gedanke gebe ihnen kraft und zuversicht
deshalb müsse er richtig sein.
und da wundert es nicht mehr,
dass sich duzianer durchaus mit einem
“der heilige geist möge dich erleuchten.”
von einander verabschieden.

stolz ein deutscher zu sein?

30. Mai 2009

“stolz ist ein verführerisch schönes gefühl.”
sagen die duzianer. “ein süßes gift.”
deshalb sei stolz ein gefühl,
dass nicht über den moment hinaus entwickelt sein will,
weil man sonst zu erfolgssicher, selbstsicher, anmaßend,
arrogant, aufgeblasen, dünkelhaft, eingebildet, herablassend,
hochmütig, hochnäsig, selbstgefällig,
wichtigtuerisch und überheblich wird.

stolz sei ein schwieriges wort in deutschland;
missbraucht und diskreditiert vom naziregime.

und doch habe der stolz eine klare funktion und bedeutung
in der persönlichen psychodynamik:
wenn man im moment der vollendung
stolz ist auf das, was man gemacht hat.
das gefühl des stolzes sei dann eine art belohnung
die zur wiederholung anregt.
auch mache der stolz persönliche stärken deutlich.

das gefühl des stolzes stelle sich unwillkürlich ein
und ebbe dann wieder ab.
jeder versuch den stolz zu konservieren
führe zur dünkelhaftigkeit.
jeder versuch es in andere, soziale bereiche hinein zutragen
führe zu überheblichkeit der betroffenen gruppe.

wenn du einen duzianer fragst:
“bist du stolz ein deutscher zu sein?”
wird er dir antworten:
“ich bin ein dankbarer deutscher.
ich bin dankbar, ein deutscher zu sein.”
der gedanke der dankbarkeit erscheine ihnen angemessener,
wenn man das würdigen will,
was die zugehörigkeit zu deutschland emotional bedeutet.
dankbarkeit sei wie der stolz ein schönes gefühl,
habe aber nicht die negativen nebenwirkungen.

“es ist meine dankbarkeit gegenüber
dem schöpfer und dem universum,”
sagt er noch, “gegenüber der kraft,
die mir in meiner menschlichen existenz
einen deutschen pass gegeben hat
und die möglichkeit in der gemeinschaft der deutschen
zu wirken und zu sein.”

die ästhetik des langen blinkens beim abbiegen

16. Mai 2009

die duzianer sind in gewisser weise ja kommunikationsfanatiker,
und so ist das abbiegen mit einem wagen in eine andere strasse,
oder z.b. die abfahrt von einer autobahn
nicht einfach ein verkehrstechnischer vorgang,
wie ich jetzt bei einem gespräch feststellen konnte,
das ich nicht umhin kam mitzuhören.

die duzianer kennen “den frühst möglichen punkt”
an dem man einen blinker setzen kann;
und ab dem punkt blinken sie.
natürlich könne man den blinker auch zu früh setzen
und damit mehr durcheinander als klarheit schaffen.
aber z.b. 500 m vor einer autobahnabfahrt,
wenn man an dem entsprechenden schild vorbeifährt,
und dann bereits den blinker setzt,
dann ist das eindeutig.
und je früher ich die anderen teilnehmer des verkehrsgeschehens
über meine absichten in kenntnis setze
umso sicherer fahre ich.

dieses klare kommunikative verhalten
habe auch einen ästhetischen aspekt,
höre ich sie sagen.
das richtige und das schöne verbinde sich.

so erfreuen sich die duzianer z.b.,
wenn sie im letzten abendlicht eine geschlossene reihe
von früh- und langblinkern die autobahn verlassen sehen,
wenn sie ihre blinker wie ein spiel an langer schnur
aufleuchten und verlöschen. und wieder aufleuchten …
“das hat was.” meint sie und steht auf,
und ihn höre ich noch im weggehen sagen:
“das ganze ist mal wieder mehr als die summe seiner teile.”